Warum geraten PV-Freiflächenanlagen trotz hoher Nachfrage zunehmend unter Druck?

Der Wettbewerb um PV-Freiflächenanlagen in Deutschland bleibt hoch. Auch die jüngste Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur zum Gebotstermin 1. Juli 2026 war deutlich überzeichnet. Gleichzeitig sinken die Zuschlagswerte weiter. Für Unternehmen, Kommunen und Projektbeteiligte ist das ein wichtiges Signal: Der Ausbau großer Photovoltaikanlagen schreitet voran, doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden anspruchsvoller.

Hohe Nachfrage nach PV-Freiflächenanlagen

Für die aktuelle Ausschreibungsrunde hatte die Bundesnetzagentur ein Volumen von 2.135 MW vorgesehen. Eingereicht wurden insgesamt 401 Gebote für PV-Freiflächenanlagen und weitere Solaranlagen des ersten Segments mit einem Gesamtvolumen von 3.170 MW.

Damit lag das Gebotsvolumen rund 1,5-mal so hoch wie die ausgeschriebene Leistung. Die Nachfrage überstieg das verfügbare Volumen also weiterhin deutlich. Gegenüber der vorherigen Ausschreibungsrunde hat sich die Überzeichnung allerdings abgeschwächt: Zum Gebotstermin am 1. März 2026 hatte das Verhältnis noch bei rund 2 gelegen.

48 Gebote wurden wegen formaler Fehler von der Bundesnetzagentur vom Verfahren ausgeschlossen. Insgesamt erhielten 261 Gebote einen Zuschlag.

Zuschlagswerte für PV-Freiflächenanlagen sinken weiter

Besonders relevant ist die Entwicklung der Zuschlagswerte. Diese bewegten sich in der aktuellen Runde zwischen 4,38 und 4,97 Cent pro Kilowattstunde. Der gewichtete durchschnittliche Zuschlagswert sank auf 4,79 Cent/kWh.

In der vorherigen Ausschreibungsrunde hatte der Durchschnitt noch bei 4,94 Cent/kWh gelegen. Damit setzt sich der hohe Wettbewerbsdruck bei PV-Freiflächenanlagen auch auf der Preisseite fort.

Zu den erfolgreichen Bietern gehörten unter anderem Enerparc, Enercity, RWE und Teag.

Bayern erhält die meisten Zuschläge

Regional liegt Bayern deutlich vorne. Dort waren 75 Projekte mit einer Gesamtleistung von 429 MW erfolgreich. Dahinter folgen Baden-Württemberg mit 266 MW, Rheinland-Pfalz mit 239 MW, Nordrhein-Westfalen mit 233 MW und Niedersachsen mit 225 MW.

Die Ausschreibung umfasst neben PV-Freiflächenanlagen auch Solaranlagen auf baulichen Anlagen, die weder Gebäude noch Lärmschutzwände sind.

Die Zahlen verdeutlichen, dass weiterhin zahlreiche große Photovoltaikprojekte entwickelt werden. Gleichzeitig zeigt die geringere Überzeichnung gegenüber der Vorrunde, dass sich die bisherige Dynamik zumindest abschwächt.

PV-Freiflächenanlagen spielen dabei nicht nur für den Ausbau der Solarenergie eine wichtige Rolle. Auch die Frage, wie sich Solarparks mit landwirtschaftlicher Nutzung und ökologischen Mehrwerten verbinden lassen, gewinnt an Bedeutung. Welche Möglichkeiten sich dabei ergeben, haben wir bereits in unserem Beitrag zur Freiflächen Photovoltaik näher beleuchtet.

Warum der hohe Zubau nicht über schwierigere Marktbedingungen hinwegtäuschen sollte

Auf den ersten Blick erscheint die Entwicklung der PV-Freiflächenanlagen positiv. Im ersten Halbjahr 2026 wurde der gesamte Photovoltaik-Zubau in Deutschland insbesondere von Freiflächenanlagen getragen. In mehreren Monaten lag ihr Zubau deutlich über dem jeweiligen Vorjahresniveau.

Die aktuellen Zahlen spiegeln allerdings nicht zwangsläufig die Bedingungen wider, unter denen heute neue Projekte geplant werden. Nach Einschätzung des Branchenverbandes BSW beruhen die positiven Zubauzahlen des ersten Halbjahres 2026 vor allem auf Projektentscheidungen aus der Vergangenheit.

Für neue PV-Freiflächenanlagen wird das Marktumfeld dagegen anspruchsvoller.

Mehrere Faktoren kommen zusammen: sinkende Capture-Preise, niedrige Renditeerwartungen, Unsicherheiten über den zukünftigen CfD-Förderrahmen sowie Schwierigkeiten beim Netzanschluss. Gleichzeitig erhöhen die weiter sinkenden Zuschlagswerte den wirtschaftlichen Druck auf neue Projekte.

Gerade für Unternehmen, die sich langfristig mit der Beschaffung von erneuerbarem Strom beschäftigen, ist diese Entwicklung relevant. Eine hohe Zahl neuer PV-Freiflächenanlagen bedeutet nicht automatisch, dass neue Projekte unter den heutigen Marktbedingungen ebenso einfach wirtschaftlich realisiert werden können.

Batteriespeicher werden für PV-Freiflächenanlagen wichtiger

Eine mögliche Konsequenz der veränderten Marktbedingungen zeichnet sich bereits ab. Analysten gehen davon aus, dass große PV-Freiflächenanlagen künftig zunehmend gemeinsam mit Batteriespeichern realisiert werden.

Damit kann auf die Veränderungen des Strommarktes und Anforderungen des Netzes reagiert werden. Gleichzeitig steigt jedoch der Kapitalbedarf der Projekte. Die Wirtschaftlichkeit großer Photovoltaikprojekte wird damit zunehmend von mehreren Faktoren gleichzeitig bestimmt.

Die aktuelle Ausschreibung zeigt deshalb zwei Entwicklungen: Einerseits besteht weiterhin ein hohes Interesse an PV-Freiflächenanlagen. Andererseits steigen die wirtschaftlichen Herausforderungen für neue Projekte.

Was bedeutet die Entwicklung für Unternehmen?

Für Unternehmen wird es zunehmend wichtig, nicht nur den Ausbau der Photovoltaik insgesamt zu betrachten. Entscheidend ist vielmehr, unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen neue Erzeugungskapazitäten entstehen und langfristig Strom bereitstellen können.

Die aktuelle Ausschreibungsrunde macht deutlich, wie stark der Wettbewerb um wirtschaftlich tragfähige PV-Freiflächenanlagen inzwischen ist. Sinkende Zuschlagswerte treffen auf niedrigere Capture-Preise, Netzanschlussprobleme und einen möglicherweise steigenden Bedarf an Batteriespeichern.

Damit gewinnt die langfristige Planung der erneuerbaren Stromversorgung weiter an Bedeutung. Gerade bei größeren Projekten müssen Erzeugung, Wirtschaftlichkeit, Finanzierung und die Entwicklung des Strommarktes zusammengedacht werden.

Die nächste Ausschreibungsrunde für PV-Freiflächenanlagen und weitere Solaranlagen des ersten Segments ist für den 1. Dezember 2026 vorgesehen. Sie dürfte einen weiteren Hinweis darauf geben, ob die Nachfrage auf dem bisherigen hohen Niveau bleibt und wie sich der wirtschaftliche Druck auf neue Projekte weiterentwickelt.