Trotzdem besteht eine wirtschaftliche Herausforderung für Volleinspeiseanlagen – das sogenannte Solarspitzengesetz. Dieses im Februar 2025 in Kraft getretene Gesetz reduziert die Einspeisevergütung für Solaranlagen für Zeiträume mit negativen Strombörsenpreisen auf null. Eine Solaranlage erzielt daher in denjenigen Viertelstunden mit Negativpreisen keinen wirtschaftlichen Mehrwert durch Einspeisung in das öffentliche Netz. Für Volleinspeiseanlagen ohne integrierten Stromspeicher bedeutet dies: Jede Kilowattstunde Strom, welche zu Negativpreiszeiten produziert wird, erhält keine Vergütung.
Anhand der Börsenstrompreise für das Jahr 2025 lässt sich einfach berechnen, wie viel Strom eine typische Solaranlage während negativer Börsenstrompreise produzierte. Simuliert man als typische PV-Anlage eine Ost-West-Ausrichtung in der geografischen Mitte Deutschlands und vergleicht für jede Viertelstunde des Jahres 2025 die simulierte Erzeugung mit dem realen Börsenstrompreis zu dieser Zeit, so ergibt sich der sogenannte „volumengewichtete Produktionsanteil“ während Negativpreisphasen. Dieser Produktionsanteil gibt an, welcher Anteil des erzeugten Stroms für eine Volleinspeiseanlage nicht vergütungsfähig ist. Legt man die 15-Minuten-Lastgänge der typischen Erzeugung und der Börsenstrompreise für 2025 übereinander, so zeigt sich, dass 25% der volumengewichteten Produktionsmenge durch eine Volleinspeiseanlage nicht vergütet werden. Würde eine 100 kWp-Anlage beispielsweise 100.000 kWh im Jahr produzieren, so erhielten anhand des Solarspitzengesetzes nur etwa 75.000 kWh eine Einspeisevergütung. Statt eines Ertrags von 10.000€ bei 10ct./kWh Einspeisevergütung würde der Anlagenbetreiber einer Volleinspeiseanlage am Ende des Jahres 2.500€ – oder ein Viertel – weniger Umsatz erzielen.
Unter solchen finanziellen Rahmenbedingungen sind heutzutage Projekte dieser Größenordnung im Auf-Dach-Segment in den allermeisten Fällen nicht mehr mit wirtschaftlicher Gewinnabsicht umsetzbar. Aus diesem Grund gewinnt der Fokus auf den Eigenverbrauch von Solarstrom eine immer größere Bedeutung.
Aufgrund der volumengewichteten Ausfallmenge durch negative Börsenstrompreise lässt sich eine PV-Anlage als reine Volleinspeisung im Auf-Dach-Segment derzeit in den meisten Fällen nicht mehr rentabel betreiben.