Wie viel Solarenergie braucht Deutschland?

Betrachtet man eine kosteneffiziente Aufteilung zwischen den unterschiedlichen Technologien zur Stromerzeugung, so sagen unterschiedliche Studien in einem CO2-neutralen Energiesystem einen Solarenergie Bedarf zwischen 370 und 590 GWp voraus. Von diesen im Mittel etwa 450 GWp teilt sich die installierte Gesamtleistung zwischen Freiflächen- und Auf-Dach-PV im Verhältnis von 1:2 auf. Das bedeutet etwa 150 GWp für Freiflächen-PV und weitere 300 GWp für PV auf Gebäuden.

Insgesamt wird Deutschlands Energiesystem also in etwa 450 GWp an Solarleistung benötigen. Im Jahr 2025 hat die Photovoltaik etwa 17% an der öffentlichen Nettostromerzeugung ausgemacht. Die installierte Leistung aller Solarmodule über ganz Deutschland betrug etwa 117 GWp. Gemessen am aktuellen Ausbaustand wird sich der Bedarf an Solarenergie somit um den Faktor 4 erhöhen.

Sektorielle Betrachtung des Endenergiebedarfs

Berechnet werden kann der nötige Gesamtausbau durch eine Betrachtung des zukünftigen Energiebedarfs – genauer gesagt durch den zukünftig nötigen Endenergiebedarf. Diese Größe gibt an, wie viel Energie in Zukunft insgesamt in Deutschland benötigt wird. Dieser Bedarf wird für die bessere Übersicht in einzelne Bereiche – die sog. Sektoren – eingeteilt.

Die vier größten Energiebedarfe in Deutschland sind:

  • Energie, um Industrieprozesse ablaufen zu lassen (Sektor „Industrie“)
  • Energie, um die Gebäude zu heizen (Sektor „Gebäude“)
  • Energie, um Dinge oder Personen von A nach B zu bewegen (Sektor „Mobilität“)
  • Energie, um elektrische Geräte im Haushalt und Gewerbe nutzen zu können (Sektor „Stromerzeugung“)

Zurzeit deckt die Solarenergie am Sektor Stromerzeugung etwa 17%. Um in allen Sektoren ein klimaneutrales Energiesystem zu realisieren, braucht es eine Substitution aller CO2-produzierenden Energieproduktionen. Das bedeutet jede Kilowattstunde Strom, die heutzutage noch durch Gas- oder Kohlekraftwerke produziert werden, muss in irgendeiner Art durch erneuerbare Energie ersetzt werden. Jede Entfernung, die heutzutage mittels der Verbrennung von Diesel oder Benzin zurückgelegt wird, muss in Zukunft CO2-neutral zurückgelegt werden. Jeder Industrieprozess, der hohe Temperaturen benötigt und heutzutage durch das Verbrennen von Gas erreicht wird, muss in Zukunft mit CO2-neutralem Gas erreicht werden. Jede Energie, die zum Heizen einer Wohnung genutzt wird, muss in Zukunft ohne eine Belastung durch Kohlenstoffdioxid erfolgen.

Wie lässt sich der Energiebedarf decken?

Sowohl für die Deckung des zukünftigen Strombedarfs, für die Bereitstellung von Mobilität mittels stromangetriebenem Elektro- oder Wasserstoff-Auto als auch zur CO2-neutralen Herstellung von E-Fuels und Gasen für die Industrie wird Energie benötigt. Diese Energie wird zu sehr großen Teilen aus erneuerbaren Energien gewonnen werden (müssen), denn natürliche Vorkommen stehen nicht in ausreichendem Maße bereit.

Um die benötigte Energie herzustellen, braucht es nun Energieproduzenten. Als Produzenten stehen in Deutschland hauptsächlich die Erzeugungskapazitäten „Solarenergie“, „Windenergie“, „Biogas“, und „Wasserkraft“ bereit. Unter diesen unterschiedlichen Erzeugungsarten gilt es nun einen Mix zu wählen, um die benötigte Endenergie zielgenau und kostengünstig bereit zu stellen.

Mischt man diese Erzeugungseinheiten durch und betrachtet die Stromgestehungs-kosten sowie geografische Beschränkungen, so kommt man unter einer möglichst kostengünstigen Produktion der benötigten Energie auf die etwa 450 GW an Solarenergie. Für Windenergie sind etwa 200 bis 300 GW vorgesehen und die Laufwasserkraftwerke und Biogasanlagen werden in Zukunft in geringerem Maße zur Stromerzeugung beitragen. Temporäre Energiespeicher wie Batterien, Pumpspeicherkraftwerke oder Wasserstoff-Kraftwerke werden in Zukunft einen Produktionsüberschuss aus Sonne, Wind oder Wasser von einem Zeitpunkt auf einen anderen Zeitpunkt verlagern können.

Fazit

Zur Deckung des zukünftigen deutschen Energiebedarfs wird es in einem CO2-neutralen System eine Vervierfachung der heutigen PV-Erzeugungsleistung brauchen – insgesamt etwa 450 GW. Soll dieses Ziel bis 2045 erreicht werden, so ist eine durchschnittliche Neuinstallation von etwa 22 GWp brutto pro Jahr nötig. Im vergangenen Jahr betrug dieser Wert etwa 17,5 GWp.

Quellen

Thelen, C., Nolte, H., Kaiser, M., Jürgens, P., Müller, P., Senkpiel, C., Kost, C. „Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem: Bundesländer im Transformationsprozess“, 2024, Fraunhofer ISE, Version April 2025. https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html

Burger, Bruno, https://www.energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&c=DE&interval=year&source=public&year=2025

Prof. Dr. Quaschning, Volker, Nico Orth, Dr. Johannes Weniger, Joseph Bergner, Bernhard Siegel und Michaela Zoll, „Solarstromausbau für den Klimaschutz – Wie viel Photovoltaik ist in Deutschland zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens erforderlich?“, HTW Berlin, 2021. https://solar.htw-berlin.de/wp-content/uploads/HTW-Studie-Solarstromausbau-fuer-den-Klimaschutz.pdf

Bundesverband Solarwirtschaft, https://www.solarwirtschaft.de/2026/01/05/photovoltaik-ueberholt-braunkohle-und-erdgas/